Studie zeigt: das Elterngeld funktioniert


Erst zu Beginn des Jahrtausends wurde das Modell des erziehenden Vaters allmählich salonfähig - im Jahr 2001 legten immerhin 1,5 % der Väter nach der Geburt eine berufliche Pause ein. Bis zum Jahr 2006 stieg die Zahl auf 3 %, aber erst das neue Elterngeldgesetz aus dem Jahr 2007 löste seit 2008 einen wahren Boom aus: Inzwischen beantragen über 27 % der Väter Elterngeld. Das Elterngeld in Höhe von zwei Dritteln des letzten bezogenen Nettoeinkommens wird regulär für 12 Monate gezahlt und verlängert sich um zwei Monate, wenn auch der andere Partner für mindestens zwei Monate die Erziehung übernimmt. Mit dieser Neuregelung wollte der Gesetzgeber vor allem den Müttern die Rückkehr in den Beruf erleichtern, aber auch das Engagement der Väter stärken.

Fünf Jahre nach der Einführung untersuchte Dietmar Hobler vom Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) zusammen mit seinen Mitautoren, ob das Modell den angestrebten Zweck erfüllt. Von August 2012 bis Sommer 2014 werden im Rahmen einer von der Hans-Böckler-Stiftung unterstützten Studie Mütter und Väter befragt, die sich seit 2007 für den Elterngeldbezug des Vaters für zwei Monate oder länger entschieden haben. Die vorläufigen Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass bei längerem Elterngeldbezug des Vaters die Mutter tatsächlich schneller in den Beruf zurückkehrt und häufiger wieder eine Vollzeitbeschäftigung aufnimmt, während sich der Vater in größerem Umfang an der Kindererziehung beteiligt.

Hobler und seine Kollegen differenzierten zwischen Vätern, die nur zwei Monate beruflich aussetzten und denjenigen, die für drei Monate und länger die Kinderbetreuung übernahmen. Es stellte sich dabei heraus, dass die länger pausierenden Väter häufig in Paarkonstellationen auftreten, in denen beide Partner über eine hohe berufliche Qualifikation verfügen. Bei den insgesamt 71 % Paaren, in denen der Mann nur zwei Monate zu Hause blieb, lagen der berufliche Status und das Einkommen des Mannes oft erheblich über dem der Frau.

Die beiden Gruppen wurden jeweils nach ihren Motiven befragt, außerdem wurden die weitere berufliche Beschäftigung der Männer und der Wiedereinstieg der Frauen verglichen. Bei den lange pausierenden Vätern kehrten 79 % der Mütter schon innerhalb eines Jahres an den Arbeitsplatz zurück, während es in der anderen Gruppe nur 24 % waren. Auch in der Folgezeit stiegen mehr Väter, die bereits nach der Geburt länger zu Hause geblieben waren, nur in Teilzeit wieder ins Berufsleben ein, um weiterhin mehr Zeit für die Familie zu haben und einen größeren Anteil an der Kinderbetreuung zu leisten. Die länger erziehenden Väter gaben als Motiv weitaus öfter an, dass sie ihrer Partnerin das berufliche Fortkommen erleichtern wollten, nämlich 70 %. Diesen Grund nannten nur 31 % der Väter, die lediglich zwei Monate in Anspruch nahmen. Dietmar Hobler zieht daraus das vorläufige Fazit, dass Väter, die längere Zeit Elterngeld in Anspruch nehmen, den beruflichen Werdegang ihrer Partnerinnen bewusst und effizient fördern.

Quelle: jugendhilfeportal.de