Kindersichere Wohnung & Haus: unsere Tipps für ein sicheres Zuhause


Jedes Jahr müssen 1,7 Millionen Kinder in Deutschland nach einem Unfall medizinisch versorgt werden. Dabei ereignen sich die meisten Unglücksfälle für Kleinkinder in den eigenen vier Wänden, erst im Schulalter tritt die Gefahr von Verletzungen im Straßenverkehr in den Vordergrund. Bei den schwersten Unfällen mit tödlichem Ausgang führen Stürze und Ersticken die Ursachenstatistik an, aber auch Wohnungsbrände und Vergiftungen werden Kleinkindern häufig zum Verhängnis.
Zum Glück können Sie die Risiken im Haushalt schon mit einer gut durchdachten Einrichtung deutlich reduzieren. Und wenn Sie Ihr Kind von klein auf mit allen Gefahren vertraut machen, dürfen Sie sich um so eher darauf verlassen, dass es sich auch dann vorsichtig verhält, wenn Sie einmal nicht hinsehen.

Die 5 wichtigsten Punkte für ein sicheres Zuhause

1. Behalten Sie ein Kleinkind immer im Auge
Ob in der Badewanne oder beim Spielen im Kinderzimmer, da überall Gefahren lauern, lassen Sie ein Kleinkind niemals außer Sicht- und Hörweite. Wo immer Sie im Haus zu tun haben, nehmen Sie das Kind mit und setzen Sie es mit seinem Lieblingsspielzeug in einer Zimmerecke auf die Kuscheldecke.

2. Richten Sie die Wohnung kindersicher ein
Achten Sie darauf, alle offenen Treppen zu sichern, und denken Sie an alle weiteren Absturzmöglichkeiten an Balkon oder Terrasse. Sperren Sie die gefährlichen Durchgänge mit passenden Gittern ab und versehen Sie scharfe Kanten an Möbelstücken oder Fensterbänken mit Kunststoffkappen. Decken Sie alle Steckdosen mit Klappen zu und räumen Sie spitze und scharfkantige Gegenstände außer Reichweite. Weitere Informationen hierzu auch in unserem Beitrag zu "5 Tipps für ein kindersicheres Zuhause".

3. Üben Sie gefährliche Tätigkeiten mit dem Kind
Trainieren Sie mit Ihrem Kind von Beginn an, wie es Gefahrenquellen begegnen muss. Zeigen Sie ihm, wie es immer von vorn auf einen Stuhl klettern und wie es Treppenstufen vorwärts und rückwärts auf allen Vieren meistern kann. Auch Obst schneiden, heiße Getränke eingießen und Kerzen anzünden können Sie nach und nach vorsichtig zusammen lernen.

4. Machen Sie dem Kind die Gefahren bewusst
Erklären Sie Ihrem Kind, welche genauen Gefahren von Hitze, Höhe etc. ausgehen. Da ein Kind sich anfangs nicht vorstellen kann, warum Heißes gefährlich ist, da es Bedeutung und Konsequenzen nicht erfasst, führen Sie es behutsam an Wärme und Hitze heran. Wenn Sie das Kind mit dem Finger kurz an eine heiße Tasse tippen lassen, kann es erahnen, was Hitze bedeutet.

5. Achten Sie auf Kindersicherheit bei Spielzeug und Kindermöbeln
Achten Sie beim Kauf aller Spielsachen und Einrichtungsgegenstände für das Kinderzimmer auf kontrollierte Qualität. Sie können sich zunächst am CE-Zeichen orientieren, mit dem der Hersteller versichert, alle EU-Richtlinien für das betreffende Produkt eingehalten zu haben. Außerdem werden zahlreiche Produkte durch den TÜV geprüft und dürfen sodann das Zeichen GS für "Geprüfte Sicherheit" tragen.

Weitere Tipps für eine kindersichere Wohnung

Wie viele Gefahren in jeder Wohnung von den alltäglichen Gebrauchsgegenständen ausgehen, ist Erwachsenen oft gar nicht mehr bewusst. Checken Sie daher anhand der nachfolgenden Liste noch einmal gründlich, ob Sie alle Risikoherde bedacht haben.

  • Ziehen Sie Ihrem Kind im Haus immer Hausschuhe mit rutschfester Sohle oder ABS-Socken an, damit es auf glatten Böden Halt findet. (Erhältlich bei Heine)
  • Achten Sie darauf, dass von Gardinen und Vorhängen keine losen Schnüre herabhängen, in denen sich Kinder verfangen können. Außerdem sind im Kleinkindalter herabhängende Tischdecken eine Risikoquelle, weil Ihr Kind daran ziehen und sie mitsamt Geschirr und heißem Inhalt herunterreißen kann.
  • Denken Sie daran, elektronische Geräte und Kabel außer Reichweite des Kindes zu lagern.
  • Verwahren Sie Feuerzeuge und Streichhölzer am besten in einer abschließbaren Schublade oder in einem hoch angebrachten Hängeschrank, den das Kind nicht erreichen kann. Entsprechendes gilt für Medikamente, alkoholische Getränke und Zigaretten.
  • Lassen Sie keine Plastiktüten in Reichweite des Kindes herumliegen. Denn wenn das Kind sich eine Tüte über den Kopf zieht, besteht Erstickungsgefahr.
  • Räumen Sie alle Kleinteile sorgfältig beiseite, die ein Kind verschlucken könnte. Besonders gefährlich sind Batterien und Magneten, die so klein sind, dass ein Kind sie in den Mund nehmen kann.
  • Versuchen Sie, alle Räume mit Gefahrenquellen abzuschließen, wenn Sie sich nicht zusammen mit dem Kind darin aufhalten. Dies gilt besonders für die Küche, in dem ein Kind mit Herdplatten und Ofen, scharfen Messern und vielen gefährlichen Geräten in Kontakt kommen kann.

Kinderunfällen vorbeugen

Verbrennungen und Brandgefahren vermeiden
Machen Sie sich noch einmal bewusst, dass Brand- und Verbrennungsgefahren nicht nur von offenem Feuer ausgehen können. Setzen Sie Ihr Kind niemals beim Baden oder Duschen zu heißem Wasser aus, verwenden Sie kein kochendes Wasser für die Wärmflasche und benutzen Sie möglichst keine elektrischen Heizkissen, Heizdecken o.ä. im Kinderbettchen. Außerdem können herkömmliche Glühlampen in der Nähe von Bettwäsche oder Plastikspielzeug verheerende Brände auslösen. Wählen Sie für das Kinderzimmer daher nur Energiesparlampen, die keine hohen Temperaturen entwickeln.

Ein Laufstall zur Kindersicherheit
Auch wenn viele Eltern Vorbehalte gegen den traditionellen Laufstall hegen, weil das Kind darin eingesperrt ist, kann er für überschaubare Zeiträume gute Dienste leisten. Denn in dem gesicherten Areal können Sie das Kind überall in Ihrer Nähe behalten, auch wenn Sie mit kochendem Essen oder mit dem Bügeleisen hantieren müssen.

Wenn Sie aus Ihrer Sicht die Gefahren weitgehend gebannt haben, machen Sie zum Abschluss noch einen Kontrollgang durch die Wohnung aus der Kinderperspektive. Setzen Sie sich einmal in die Krabbelposition und erkunden Sie Ihre heimische Welt mit den Augen und Bewegungsmöglichkeiten des Kindes. Werden Sie für einen Moment wieder ganz zum Kleinkind und sehen Sie die Umgebung, in der es jede Menge Interessantes anzufassen, zu entdecken und auszuprobieren gibt, wie zum ersten Mal an.

Weitergehende Informationen

www.kindersicherheit.de
www.bzga.de/kindersicherheit

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Quelle: GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.