Jugendarbeitslosigkeit in Europa: traurige Fakten und Zahlen


Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat europaweit ihre Kreise auf dem Arbeitsmarkt gezogen, aber vor allem die jungen Arbeitnehmer hart getroffen. Denn die Berufseinsteiger bekommen häufig nur befristete Arbeitsverträge und werden in Krisenzeiten als erste wieder entlassen. Außerdem besetzen viele Unternehmen im Zuge des Personalausbaus frei gewordene Stellen nicht wieder neu, sodass zahlreiche frisch ausgebildete Jugendliche im Regen stehen bleiben. Im EU-Gebiet sind derzeit etwa 5,5 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Arbeitsplatz, das entspricht einer Quote von 23,2 %. Im Vergleich dazu liegt die Arbeitslosenquote für die Gesamtbevölkerung in den 28 EU-Mitgliedsstaaten bei 11 %. Weltweit beträgt die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen derzeit 12,6 %, nachdem in den Jahren von 2007 bis 2012 ein Anstieg von etwa 3,5 Millionen zu verzeichnen war.

Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Bei der Auswertung der Statistiken ist allerdings zu berücksichtigen, dass nur diejenigen Jugendlichen in der Quote erfasst werden, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, Schüler und Studenten zählen dagegen nicht mit. Im Unterschied dazu weist der sogenannte Arbeitslosenanteil aus, wie hoch der Prozentanteil der nicht Beschäftigten zu den Arbeitenden in ihrer Altersgruppe ausfällt. Da sich wahrscheinlich viele junge Leute wegen der aussichtslosen Arbeitsmarktsituation für eine verlängerte Schul- oder Universitätsausbildung entscheiden, lassen die Zahlen jedoch ein dramatisches Ausmaß vermuten.

Bei der räumlichen Verteilung der Jugendarbeitslosigkeit in der EU bilden Griechenland und Spanien mit Quoten von 59,2 % bzw. 54,3 % die traurigen Spitzenreiter, hintere Plätze belegen auch Kroatien (49,2 %), Italien (41,6 %) und Zypern (40,8 %). Weitere Sorgenkinder mit Quoten zwischen 27 % und 37 % sind Portugal, die Slowakei, Bulgarien und Polen. Deutschland und Österreich führen mit vorbildlich niedrigen Quoten von unter 10 % die Positivstatistik an, in Deutschland sind es 7,4 %, in Österreich 8,9 %. Danach rangieren die Niederlande mit 11,3 % und Dänemark mit 12,9 % auf den besseren Plätzen. Aber nicht alle Staaten Mittel- und Nordeuropas schneiden im Vergleich besser ab als die süd- und osteuropäischen Länder, so liegt auch Frankreich mit einer Quote von 25,6 % über dem EU-Durchschnitt, Großbritannien landet mit 20,1 % im Mittelfeld. Die oft als Vorbilder gepriesenen skandinavischen Länder Schweden und Finnland weisen mit 22,6 % und 19,4 % ebenfalls mittelmäßige Ergebnisse aus, allein Dänemark gehört mit 12,9 % zu den besser Platzierten. Im Süden bildet Malta mit einer Jugendarbeitslosigkeit von nur 15 % eine positive Ausnahme.

Als Ursache für die erfreuliche Situation in Deutschland und Österreich sehen Bildungsexperten vor allem das duale Ausbildungssystem an. Viele Betriebe in Südeuropa versuchen daher bereits, das Prinzip zu übernehmen, um mit einer Kombination aus Unterricht und Ausbildung junge Arbeitnehmer besser in das Berufsleben zu integrieren. In Deutschland bedingt jedoch auch die demografische Entwicklung eine momentane Knappheit an jungen Leuten. Daher hegen Experten keine große Hoffnung, dass neue Ausbildungsstrategien allein die Situation entscheidend verbessern können.

Weiterführende Informationen:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/74795/umfrage/jugendarbeitslosigkeit-in-europa/
http://www.dnet.at/elis/Tabellen/arbeitsmarkt/aminter_ALQJugendinter_Monat.pdf
http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/daten-eu-jugendarbeitslosigkeit100.html